Klavierabend, Tamar Beraia
Die in Bern lebende und mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnete georgisch-schweizerische Pianistin Tamar Beraia präsentiert sich mit einem Klavierspiel voll Kraft, Musikalität und
Die in Bern lebende und mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnete georgisch-schweizerische Pianistin Tamar Beraia präsentiert sich mit einem Klavierspiel voll Kraft, Musikalität und Virtuosität. Sie ist bereits vor einigen Jahren sehr erfolgreich innerhalb der Mendelssohn Musikwoche aufgetreten. Für ihren Klavierabend hat sie ein Programm gewählt, das den Titel «Verwandte Seelen - Klaviermusik der Schumanns und Mendelssohns» trägt.
Robert Schumanns Arabeske C-Dur op. 18 wirkt verträumt und wehmütig. Die klar strukturierte klassische Form wird durch leichte, arabisch anmutige Fragmente ersetzt, die sich zu einem glänzenden Ganzen verbinden. Das Werk entstand im Herbst 1839, in der Zeit, als Schumann versuchte, Clara Wieck gegen den Widerstand ihres Vaters zu ehelichen. Die Klaviersonate Nr. 2 in g-Moll op. 22 entstand zwischen 1833 und 1836. In einem Brief vom 3. März 1838 schreibt Clara Schumann: «Ich freue mich unendlich über die zweite Sonate, sie erinnert mich an viele glückliche, aber auch schmerzliche Stunden. Ich liebe sie, genau wie du; dein ganzes Wesen kommt darin so deutlich zum Ausdruck, und ausserdem ist sie nicht allzu unverständlich. Aber noch etwas: Möchtest du den letzten Satz ganz so lassen, wie er ursprünglich war? Ändere ihn lieber ein wenig und mache ihn leichter, denn er ist doch zu schwierig. Ich verstehe ihn vollkommen und spiele ihn auch, wenn es nötig ist, aber die Leute, das Publikum und sogar die Kenner, für die man eigentlich schreibt, verstehen das nicht…» Am 29. Dezember 1838 informiert Robert Schumann Clara: «Ich schicke in diesen Tagen die Sonate in g-Moll zum Druck; ich habe hier den letzten Satz geschrieben; er ist sehr leicht, passt aber vom Charakter her sehr gut zum ersten. Ich habe auch den ersten Satz so belassen, wie ich ihn ursprünglich komponiert habe also nicht so, wie du ihn kennst. Aber er wird dir gefallen.» Bevor Clara Wieck Noten lesen konnte, erforschte sie bereits das Klavier. Sie entwickelte sich zu einer international renommierten Konzertpianistin, die zwischen 1831 und 1889 in ganz Europa auftrat. In ihren Programmen spielte sie oft die Werke ihres Mannes und befreundeter Zeitgenossen. Das op. 6 ist ein Zyklus von sechs Klavierstücken, die sie 1836 komponierte. Die Stücke sind in einem leichten und lyrischen Stil geschrieben und zeigen ihre Fähigkeit, Elemente der Romantik mit klassischen Strukturen zu verbinden. Sie gehören nach wie vor zu ihren bedeutendsten Werken für Klavier. Im Scherzo Nr. 2, das 1845 entstand, zeigt sie nicht nur ihre kompositorische Meisterschaft, es kommt auch ihr pianistische Virtuosität zur Geltung. Der Einfluss Chopins ist nicht zu überhören, den sie als Pianisten und Komponisten sehr verehrte. Anders als ihrem Bruder Felix wurde es der hochbegabten Fanny Mendelssohn von ihrem Vater nicht gestattet, ihr Talent zu ihrem Beruf zu machen. Ihr Wirken stand ein Leben lang im Schatten ihres berühmten Bruders. Der Klavierzyklus «Das Jahr» entstand 1841 nach ihrer Italienreise und enthält einige Zitate aus Bachs Passionen. Die Charakterstücke können als Tagebuch dieser glücklichen und an Erlebnissen reichen Zeit verstanden werden. Fanny Hensel-Mendelssohn schrieb nach ihrer Rückkehr: «Oh, du schönes Italien! Wie reich bin ich innerlich durch Dich geworden.» Felix Mendelssohn überraschte seine Schwester Fanny zu deren 23. Geburtstag mit einem Klavierstück, das den Titel «Lied» trug. Sie erweiterte diesen Titel mit «Lied ohne Worte», unter dem weitere Klavierwerke ihres Bruders wie die «Original Melodies», «Romanzen» oder «Clavierstücke», wie er sie ursprünglich nannte, bekannt wurden. Sie zählten bereits zu seinen Lebzeiten zu den dankbarsten Stücken, die die Klavierliteratur des 19. Jahrhunderts zu bieten hatte. Der Verleger Nikolaus Simrock war mit der Herausgabe dieser Werke so erfolgreich, dass er Mendelssohn nachträglich ein zusätzliches Honorar zukommen liess. Die Variations sérieuses op. 54 komponierte Mendelssohn 1841. Das Werk besteht aus 16 Variationen, das sich an Beethoven zu orientieren scheint, jedoch bereits zum virtuosen Variationsstil von Brahms hintendiert. Ganz bewusst setzt sich Mendelssohn von seinen Zeitgenossen ab. Ein Freund von ihm, der Komponist und Pianist Ignaz Moscheles, sagte über op. 54: «Ich spiele die Variations sérieuses immer wieder, jedes Mal geniesse ich die Schönheiten aufs Neue».
17:30 - 19:30